Ausgabe Februar 2015

Das Ethos des Kinos

Noch immer ist das Kino eine vergleichsweise junge Kunst, auch wenn in unseren Tagen angesichts der Frage, ob oder in welchem Maß wir dabei sind, in ein „postkinematografisches Zeitalter“ einzutreten, heftig über ihr Altern diskutiert wird.[1] Zusammen mit der Fotografie ist der Film diejenige Kunstform, die – anders als die weit älteren Künste – fast vom Augenblick ihrer Geburt an von einer theoretischen Auseinandersetzung über die Kraft ihres artistischen Potentials begleitet wurde. Bei vielen Theoretikern – von Arno Münsterberg über Vachel Lindsay, Walter Benjamin, Erwin Panofsky, Siegfried Kracauer, André Bazin, Edgar Morin, Stanley Cavell, Gilles Deleuze und etlichen anderen – spielt dabei mal ausdrücklich, mal unausdrücklich eine anthropologische Spekulation eine signifikante Rolle. In Frage steht, wie sich das Kino zu den bis dahin prägenden Wahrnehmungs- und Lebensverhältnissen des Menschen verhält. Diese Frage freilich lässt sich nicht beantworten, ohne sich der spannungsreichen Verwandtschaft des Films mit vielen anderen Künsten zu widmen, etwa der Architektur, der Musik, dem Theater, dem Tanz, der Literatur, der Fotografie, der Malerei, der Plastik oder auch der Installation.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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