Ausgabe November 2015

Bekämpft und benötigt: 70 Jahre Vereinte Nationen

Sieben Jahrzehnte sind vergangen seit der Gründung der Vereinten Nationen, deren Charta am 24. Oktober 1945 in Kraft trat. Damals löste dieses Ereignis in der Öffentlichkeit große Begeisterung aus. Nach all dem Leid und den gesellschaftlichen Zusammenbrüchen im Gefolge des Zweiten Weltkriegs und der Weltwirtschaftskrise begrüßten viele die neue Institution als Hoffnungsträger, als außergewöhnliches Instrument zur Schaffung dauerhaften Friedens, wachsenden Wohlstands und einer gerechten Weltgesellschaft. Der gescheiterte Völkerbund verblasste im öffentlichen Gedächtnis. Die Vereinten Nationen sollten einen Neubeginn einläuten.

Was positiv ins Gewicht fällt, ist, dass in diesen 70 Jahren in der Tat kein neuer Weltkrieg ausbrach und dass die Atomwaffen in ihren Silos blieben. Auch hat die weltweite Zusammenarbeit auf vielen Feldern zugenommen. Andererseits gelang es nicht, stabilen Frieden und allgemeine Prosperität zu schaffen. Im Gegenteil: Nationale Rivalitäten und fundamentale Wirtschaftsprobleme zerreißen die Welt. Heute scheitern ganze Staaten, lokale Konflikte lodern, und die Zahl derer, die aus ihrer Heimat fliehen, erreicht immer neue Rekorde. Zudem bedroht eine verheerende Klimakrise alles Leben auf diesem Planeten. Kurzum: Trotz wichtiger Errungenschaften, die für die UNO sprechen, gingen die großen Hoffnungen von 1945 nicht in Erfüllung.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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