Ausgabe November 2015

Geschäftsmodell Privatschule

Der selbstverschuldete Niedergang des öffentlichen Bildungswesens

Unter den vor Krieg und Verfolgung hier schutzsuchenden Menschen sind auch viele Kinder, die möglichst schnell Deutsch lernen und in die normalen Schulen integriert werden sollen. Um ihnen eine gute Bildung zukommen zu lassen, braucht es nach Schätzung der GEW Zehntausende neue Pädagoginnen und Pädagogen sowie psychologisch geschultes Fachpersonal.[1] Dafür allerdings wäre ein Sonderprogramm nötig, denn viele Bundesländer schaffen es schon jetzt kaum noch, ihre Regelschulen ausreichend auszustatten. Dagegen wehren sich gemeinsam mit Finanzminister Wolfgang Schäuble vor allem Baden-Württemberg und Bayern, die an der Länderhoheit in Bildungsfragen unbeirrt festhalten – zu Lasten der hier lebenden Kinder.[2]

Denn das staatliche Regelschulsystem bedarf schon längst einer umfangreichen Auffrischungskur, beim Personal wie bei der Infrastruktur. Zunehmend verliert es deshalb seinen Rückhalt: Mehr als die Hälfte der Eltern schulpflichtiger Kinder würde sie laut einer Forsa-Umfrage an einer Privatschule anmelden, wenn das Schulgeld dem nicht im Wege stünde.[3] Immer häufiger kehren diejenigen, die es sich leisten können, dem staatlichen Schulsystem den Rücken, weil es dort an Ressourcen mangelt – und sorgen so mit dafür, dass die staatlichen Schulen unattraktiver werden.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Wettbewerb vor Wissenschaft: Schwarz-rote Hochschulpolitik

von Andreas Keller

Sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts wollen Bund und Länder eigentlich für die Bildung ausgeben und weitere drei Prozent für Forschung und Entwicklung. Darauf jedenfalls verständigten sie sich beim Dresdener Bildungsgipfel im Jahr 2008. Doch tatsächlich verfehlen sie das gesetzte Ziel nun schon seit zehn Jahren. Abhilfe verspricht nun die schwarz-rote Koalition.