Ausgabe September 2015

Das Ende der Deutungshoheit

Die Vierte Gewalt und die neue Macht der Vielen

„Lügenpresse – auf die Fresse“ – diesen Slogan, gern kehlig gebrüllt und rhythmisch wiederholt, kennt man von einschlägigen Aufmärschen am rechten Rand. Heute gehört er zum Vokabular der Pegida-Demonstrationen und ihrer diversen Ableger. Mittlerweile aber wird er auch in leicht abgemilderter Form (zumeist ohne die „Fresse“) von biederen Familienvätern in die Kameras der Rundfunkanstalten gesprochen. Schon das ist ein wenig paradox – denn die Sender, vor allem die des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, zählen selbstverständlich mit zur „Lügenpresse“, der man angeblich nicht trauen könne.

Die ganz große Welle von Pegida & Co. ist zwar wieder abgeflaut und die Szene zerlegt sich gerade selbst. Doch der Vorwurf bleibt im Raum: „Was ihr da macht, hat mit uns nichts zu tun.“ Das Vertrauen in die klassischen Medien ist empfindlich gestört. Folgt auf die allgemeine Politikverdrossenheit jetzt also die allgemeine Medienverdrossenheit?

Jedenfalls macht es sich zu leicht, wer das Phänomen nur auf rechte Spinner einengt und als Problem der von ihnen unterwanderten tumben und zum Glück nicht mehr ganz so zahlreichen Massen begreift. Gewiss wurde vieles an dieser „Medienkritik“ zunächst von rechts gestreut.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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