Ausgabe Dezember 2016

Faschismus mit amerikanischem Antlitz?

Trumps Schatten über Amerika und der Welt

Es stimmt bitter, dass die Erbschaft Barack Obamas, der eine Versöhnung und Vermittlung der politischen Lager anstrebte,[1] nun durch die bürgerkriegsartige Polarisierung überschattet wird, die Donald Trump in den USA und weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus betrieben hat. Er konnte dabei an die weit nach rechts führende Selbstradikalisierung der Republikaner anknüpfen, denen er gegen ihren erklärten Willen seine Kandidatur aufgezwungen hat. Dabei ging er über sämtliche weltanschaulichen Schulen des herkömmlichen Konservatismus hinaus – über die ultraliberalen Spielarten, die Corporate Business, den Freihandel und den Minimalstaat ins Zentrum rücken, über die sozialkonservativen Varianten, die Familienwerte, Patriotismus und Law & Order favorisieren sowie über die religiösen Schattierungen, die eine glaubensbasierte Innen- und Außenpolitik reklamieren und sich gegen Homosexuellenehe und Abtreibung auflehnen. Stattdessen hat sich Trump in dem Willen, die demographische Überlegenheit der weißen („kaukasischen“) „Rasse“ zu restaurieren, Elemente des europäischen Faschismus angeeignet, dessen völkisch-autoritäre Variante auch in der Alten Welt wieder auf dem Vormarsch ist.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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