Ausgabe Februar 2016

Die Schweiz als Chamäleon

Derweil Deutschland und Teile EU-Europas in der Flüchtlingskrise schwer zu kämpfen haben, fühlt sich in der Schweiz vor allem die reaktionäre „Schweizerische Volkspartei“ bestätigt. Kein Tag vergeht, an dem die Rechtspopulisten nicht hämisch das Scheitern der Brüsseler „Expertokratie“ an die Wand malen, an der Spitze stets Roger Köppel, medialer Jagdhund des SVP-Milliardärs Christoph Blocher. Als Besitzer und Chefredakteur der „Weltwoche“ schwadroniert der historisch ahnungslose Köppel gerne über die angeblich „jahrhundertealte Demokratie“ der Schweiz. Ohne patriotische Vernebelung betrachtet, ist diese dagegen nicht einmal 200 Jahre alt, entstanden nach einem kurzen Bürgerkrieg als einzige gelungene Revolution im tragischen Jahr 1848, als sonst europaweit alle bürgerlich-demokratischen Revolutionen scheiterten. Das und noch viel mehr kann man lernen in dem neuen Buch des emeritierten Zürcher Historikers Jakob Tanner. Demnach ist die helvetische Demokratie von 1848 eine ziemlich unvollkommene geblieben – eine „Bande gleichmäßig bewaffneter Männer“ (Tanner), die 123 Jahre lang einen Krieg (wenn auch ihren einzigen) gegen die Gleichberechtigung von Frauen führte.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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