Ausgabe Januar 2016

Das Ende der Republik?

Frankreich zwischen Terror und Front National

Am 27. November 2015 wurde im Innenhof des Hôtel des Invalides, einem Symbolort par excellence, nämlich der französischen Armee, in einer fast pompösen Trauerfeier der 130 Toten der Terroranschläge vom 13. November 2015 gedacht. Wie die Hauptstadt war ganz Frankreich in bleu-blanc-rouge getaucht, die Farben der Trikolore. Die Beflaggung galt der wehrhaften französischen Nation in ihrem republikanischen Sinn.

Die Angehörigen zweier Opfer blieben der Trauerfeier bewusst fern. Sie protestierten damit gegen die nach den Anschlägen eingeleiteten, sehr weitreichenden und restriktiven Sicherheitsmaßnahmen: Noch in der Nacht des 13. Novembers waren der Ausnahmezustand ausgerufen und das Versammlungsrecht beschnitten sowie Verhaftungen „auf Verdacht“ ermöglicht und Hausdurchsuchungen ohne richterlichen Befehl erlaubt worden. Doch 90 Prozent der Franzosen akzeptieren laut einer Umfrage die von Präsident François Hollande ergriffenen Maßnahmen.[1] Hollandes Umfragewerte, vor den Anschlägen in einem Dauertief, schnellten gut 20 Prozent in die Höhe.[2]

In seiner Trauerrede sprach Hollande nicht von Opfern, sondern von „Märtyrern“ und „Gefallenen“ – und griff damit bewusst auf eine sakral gefärbte Kriegssemantik zurück. Der Präsident hat den patriotischen Schulterschluss gewagt und gewonnen.

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