Ausgabe Juni 2016

Ein »Pupswitz« und seine Folgen

Was für ein Glück, Böhmermann ist zurück! Immerhin hatte man sich schon ordentliche Sorgen um den großen „Satiriker“ machen müssen – schließlich hatte ihn laut Selbstauskunft die Bundeskanzlerin „filetiert, einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert und einen deutschen Ai Weiwei“ aus ihm gemacht.

Doch ganz so schlimm scheint es um Böhmermann nicht bestellt zu sein. Von seinem kurzen Ausflug auf die Weltbühne der Politik nicht nennenswert versehrt – im Gegensatz zu chinesischen und sonstigen Dissidenten –, hat er sich nun wieder auf sein Kerngeschäft innerhalb der Spaßgesellschaft zurückgezogen und zwei Fake-Kandidaten in die RTL-Show „Schwiegertochter gesucht“ eingeschleust.

Gut so! Wie schön, dass unser Verse-Schmied so schnell wieder zu Kräften und zur Besinnung auf seine wahre Berufung gekommen ist. Nicht allerdings ohne zuvor im „Zeit“-Interview eine ganz eindeutige Gebrauchsanweisung zu seinem „kleinen Pupswitz“ (O-Ton Böhmermann) gegeben zu haben: „Jeder, der dieses Gedicht aus dem Zusammenhang nimmt und losgelöst von der ganzen Nummer vorträgt, hat nicht alle Latten am Zaun.

Sie haben etwa 33% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 67% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Ein Jahr der Erkenntnisse

von Blätter-Redaktion

Für den deutschen Journalismus war 2019 ein annus horribilis. Zunächst bescherte die Affäre um den ehemaligen „Spiegel“-Reporter Claas Relotius den Medien einen weiteren erheblichen Glaubwürdigkeitsverlust.

Die Einflüsterer des Präsidenten: Fox News und Donald Trump

von Klaus Kamps

Erstaunliche Meldungen waren das, in der Tat: US-Präsident Donald Trump möchte Grönland kaufen, befiehlt amerikanischen Unternehmen, China zu verlassen, erklärt den Chef der amerikanischen Zentralbank zum Feind – und beschwert sich über seinen Lieblingssender, „Fox News“, weil dort nicht nur schlechte Umfragewerte über ihn zu hören waren, son

Die Stasi lebt

von Jan Kursko

30 Jahre nach 1989 sind wir Zeugen eines erstaunlichen Spektakels: Die DDR lebt – und wird gerade ein zweites Mal gestürzt. Allerdings diesmal nicht von Ossis, sondern von waschechten Wessis. „Es fühlt sich schon wieder so an wie 1989 in der DDR“, verkündet AfD-Flügel-Spitze Björn Höcke.