Ausgabe Juni 2016

Einfluss ohne Grenzen: Die neuen globalen Schatteneliten

Den Reichen dieser Welt wird Steuervermeidung leicht gemacht. Das jedenfalls ist eine Erkenntnis aus den spektakulären Enthüllungen der sogenannten Panama Papers.[1] Sie verdeutlichen aber noch mehr: Wer wohlhabend ist, kann sich in den Steuerparadiesen nicht nur der Pflicht entziehen, Abgaben zu zahlen – er verweigert sich damit auch mühelos Gesetzen und stellt sich über die Rechtsordnung. Die Nutzer von Steueroasen und Schatteneliten sind zwar nicht identisch, dennoch verweisen die Panama Papers auf ein grundlegenderes Phänomen.

Durch die Umbrüche der vergangenen Jahrzehnte haben sich neuartige Einflusseliten herausgebildet.[2] Sie halten sich an ein Erfolgsrezept, das ebenso neu ist: Sie üben ihre Herrschaft vor allem durch informelle und flexible Mittel aus, die den Radar öffentlicher Aufmerksamkeit unterlaufen. Sie sind weniger sichtbar, weniger stabil, aber beweglicher als ihre Vorläufer – und sie haben eine globale Reichweite. Ihre Praktiken entziehen sich konventionellen demokratischen Kontrollmechanismen. Zumindest auf einigen globalen Schauplätzen und besonders in den westlichen Demokratien mischen sie allenthalben mit: in der Energieversorgung wie im Gesundheitswesen, in der Finanzindustrie wie in der Außenpolitik.

So beeinflussen diese Eliten heutzutage viele Entscheidungen von weltweiter Bedeutung – und das mit einschneidenden Folgen.

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In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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