Ausgabe Mai 2016

Resonanz oder: Das Ende der kritischen Theorie

Noch immer, nicht zuletzt in angelsächsischen Ländern, verfügt der Begriff „Kritische Theorie“, „Critical Theory“, über einen Nimbus, der zumal jüngere Studierende der Gesellschaftswissenschaften und der Philosophie in seinen Bann schlägt. Strikte, kalte Wissenschaftlichkeit scheint sich hier mit einer unversöhnten, ja geradezu revolutionären Haltung gegenüber dem Bestehenden zu verbinden. Vor gut einem Dreivierteljahrhundert gab Max Horkheimer diesem Programm seinen bis heute gültigen Ausdruck: „Die kritische Theorie hat bei aller Einsichtigkeit der einzelnen Schritte“, so Horkheimer 1937 in seinem Aufsatz „Traditionelle und kritische Theorie“, „und der Übereinstimmung ihrer Elemente mit den fortgeschrittensten traditionellen Theorien keine spezifische Instanz für sich als das mit ihr selbst verknüpfte Interesse an der Aufhebung des gesellschaftlichen Unrechts. [...] In einer geschichtlichen Periode wie dieser ist die wahre Theorie nicht so sehr affirmativ als kritisch, wie das auch ihr gemäße Verhalten nicht ‚produktiv‘ sein kann“.

Seither hat dieses Programm mehrere Stufen und damit Veränderungen durchlaufen: Dem in den 1950er und 1960er Jahren vor allem von Theodor W.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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