Ausgabe September 2016

Europa: Unterwerfung ohne Ende

Bild: C.H. Beck

Mit keinem Ereignis zuvor ist den Europäern die Globalisierung so nahegerückt wie mit der massiven Ausweitung der Zuwanderung von Flüchtlingen ab 2015. Die Ursachen der heutigen Wanderungsbewegungen liegen in der Geschichte: Es ist eine Geschichte der Unterwerfung – und einer Jahrhunderte währenden europäischen Expansion. Dieser widmet sich Wolfgang Reinhard in seiner „Globalgeschichte der europäischen Expansion 1415 bis 2015“.

Historischer Ausgangspunkt ist der Ehrgeiz dreier portugiesischer Königssöhne. Um sich den Ritterschlag zu verdienen, führten die Prinzen Duarte, Pedro und Henrique im August 1415 eine Expedition zur Eroberung der Hafenstadt Ceuta an der Mittelmeerküste Marokkos an. Ceuta war Endpunkt einer transsaharischen Karawanenroute, auf der Gold, Elfenbein und Sklaven nach Europa gelangten. Die Portugiesen setzten sich dort fest, Ceuta wurde ihr erster überseeischer Stützpunkt. In den folgenden acht Jahrzehnten erkundeten sie die Westküste Afrikas, umsegelten das Kap und etablierten in Südostasien das erste europäische Handelsimperium. Nicht zuletzt der Ceuta-Eroberer Henrique war dabei ein energischer Antreiber, besser bekannt als Heinrich der Seefahrer.

Das Jahr der Eroberung Ceutas ist in den Untertitel des Buches eingegangen. Doch Reinhards dramaturgischer Ausgangspunkt ist ein anderer.

Sie haben etwa 15% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 85% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.