Ausgabe April 2017

Die Flüchtlingsrevolution oder: Die Wiederkehr des Politischen

Schenkt man den Medien Glauben, befindet sich Europa seit bald zwei Jahren in der „Flüchtlingskrise“. Dabei geht schon der Begriff an der Qualität und an der Dimension des Ereignisses vollkommen vorbei. Und genauso verhält es sich mit den Antworten auf diese „Krise“: Was gegenwärtig unter dem „Marshallplan für Afrika“ firmiert, ist nichts anderes als der Versuch, die ökonomische Dominanz des Nordens und Westens zu verteidigen.[1]

„Flüchtlingskrise“, dieses Wort unterstellt – fälschlicherweise – dass wir Europäer in der Krise stecken, weil einige hunderttausend Menschen, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft sind, es unter Einsatz ihres Lebens schaffen, zu uns zu kommen. Zudem insinuiert der Begriff noch etwas anderes: Krisen werden bewältigt, danach ist alles, wie es früher war.

Das aber wird nicht der Fall sein. Nichts spricht dafür, dass die globale und regionale Ungleichheit bald ausgeglichen sein werden, dass der Klimawandel aufgehalten und die mehr als ein Dutzend Kriege und erst recht nicht alle anderen bewaffneten Konflikte enden werden, die alle zusammen gegenwärtig immer mehr Menschen zu dem Entschluss treiben zu fliehen. Im Gegenteil: Es scheint, als nähmen all diese Faktoren unablässig zu.

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Afrika: Die zweifache Katastrophe

von Simone Schlindwein

Es sind grausame Szenarien, die für Afrika projiziert werden. Von „zehn Millionen Toten“ durch das Coronavirus auf dem Kontinent warnte Microsoft-Gründer Bill Gates bereits im Februar: Ein massiver Ausbruch würde die ohnehin maroden Gesundheitssysteme Afrikas „überwältigen“ und dadurch zu einem Massensterben führen, erklärte er. Die Warnung Gates‘ kam nur wenige Stunden bevor in Ägypten der erste Covid-19-Fall auf dem Kontinent bestätigt wurde. Seitdem breitet sich das Virus stetig weiter gen Süden aus und mit ihm auch die Angst.