Ausgabe August 2017

Vorbild Uganda: Flüchtlingsschutz statt Flüchtlingsabwehr

Geschichten von Flucht und Vertreibung betreffen das Schicksal Einzelner; in ihrer Häufung sind sie aber Ausdruck einer humanitären Misere, die das Gemeinwesen insgesamt bedroht. In Afrika gehören Krieg, wirtschaftliche Not und gesellschaftlicher Zusammenbruch besonders oft dazu.[1] Noch vor zehn Jahren machten Entwicklungsexperten wie Jeffrey Sachs, Direktor des Earth Institute an der Columbia University, mit der These Furore, dass ein „Big Push“, ein massiver Förderschub, Afrika aus der Armutsfalle befreien könne.[2] Widerlegt sind die damals vorgebrachten Argumente für eine drastische und zeitlich befristete Aufstockung der Entwicklungs- und Hilfsprogramme keineswegs, aber der kurzzeitig aufgeflammte Enthusiasmus ist dahin.

Wenn es nach der derzeitigen Bundesregierung geht, soll im Zentrum der Bemühungen um einen Aufschwung in Afrika künftig nicht die Entwicklungszusammenarbeit stehen, sondern die Ankurbelung der wirtschaftlichen Entwicklung durch private, also profitorientierte Investitionen. Ein Papier des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zur „neuen Partnerschaft“ zwischen Europa und Afrika fordert gar, Gelder der Entwicklungszusammenarbeit – also öffentliche Mittel – einzusetzen, um privaten Investoren neue Marktchancen in Afrika zu eröffnen. Mit dem Thema Flucht werden die afrikanischen Regierungen dagegen weiterhin allein gelassen.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema