Ausgabe Juni 2017

Den Schmerz der Freiheit aushalten

Unter dem Eindruck des Terroranschlags auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ vor rund zwei Jahren verfasste der in Tel Aviv lehrende Psychologe und Philosoph Carlo Strenger eine Verteidigungsschrift der westlichen Werte. In seinem damaligen Buch mit dem Titel „Zivilisierte Verachtung. Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit“ schlägt der renommierte israelische Intellektuelle vor, die Samthandschuhe in der Auseinandersetzung mit Feinden der offenen Gesellschaft abzustreifen. Die Kernbotschaft: Niemandes Grundannahmen dürften prinzipiell von rationaler Kritik ausgenommen sein. Demokratiefeindliches Gebaren – ob seitens religiöser Fundamentalisten, Populisten oder politischer Extremisten – dürfe nicht im Namen einer falsch verstandenen Toleranz hingenommen werden. Unter bestimmten Bedingungen lässt Strenger für die gute Sache der Verteidigung der westlichen Werte selbst eine dezidiert emotionale Ablehnung aufklärungsfeindlicher Positionen durchgehen. Eben diese streitbare, ablehnende Haltung nennt er „zivilisierte Verachtung“. 

In seinem neuesten Buch, „Abenteuer Freiheit“ betitelt, greift Carlo Strenger das gedankliche Leitmotiv – die Frage, wie die freiheitliche westliche Gesellschaft zu verteidigen sei – wieder auf.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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