Ausgabe Juni 2017

Den Schmerz der Freiheit aushalten

Unter dem Eindruck des Terroranschlags auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ vor rund zwei Jahren verfasste der in Tel Aviv lehrende Psychologe und Philosoph Carlo Strenger eine Verteidigungsschrift der westlichen Werte. In seinem damaligen Buch mit dem Titel „Zivilisierte Verachtung. Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit“ schlägt der renommierte israelische Intellektuelle vor, die Samthandschuhe in der Auseinandersetzung mit Feinden der offenen Gesellschaft abzustreifen. Die Kernbotschaft: Niemandes Grundannahmen dürften prinzipiell von rationaler Kritik ausgenommen sein. Demokratiefeindliches Gebaren – ob seitens religiöser Fundamentalisten, Populisten oder politischer Extremisten – dürfe nicht im Namen einer falsch verstandenen Toleranz hingenommen werden. Unter bestimmten Bedingungen lässt Strenger für die gute Sache der Verteidigung der westlichen Werte selbst eine dezidiert emotionale Ablehnung aufklärungsfeindlicher Positionen durchgehen. Eben diese streitbare, ablehnende Haltung nennt er „zivilisierte Verachtung“. 

In seinem neuesten Buch, „Abenteuer Freiheit“ betitelt, greift Carlo Strenger das gedankliche Leitmotiv – die Frage, wie die freiheitliche westliche Gesellschaft zu verteidigen sei – wieder auf.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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