Ausgabe März 2017

Geert Wilders: Sieg ohne Macht?

Als der Publizist und frühere Soziologieprofessor Pim Fortuyn 2002 die niederländische Politik aufmischte, reagierte der Rest Europas verwundert bis schockiert: Scheinbar aus dem Nichts erschien da ein schwuler Dandy und setzte sich mit markigen Sprüchen gegen Multikulturalismus und angebliche Islamisierung gleich an die Spitze der Umfragen.

Fortuyn war einer der ersten Vertreter einer neuen Welle rechter Politiker auf dem Kontinent. An ihnen haftete nicht mehr der Geruch von Springerstiefeln, Wehrmachtgedenken oder Blut-und-Boden-Ideologie. Damit wurden sie auch für Durchschnittswählerinnen und -wähler interessant. Dass ausgerechnet die Niederlande, das Sinnbild von Toleranz und einer „High-sein-frei-sein“-Mentalität, zum europäischen Vorreiter dieser Rechtsentwicklung avancierten, sorgte nicht nur dort für gewaltige Irritationen.

Anderthalb Jahrzehnte später könnte das Land erneut ein Signal nach ganz Europa senden. Bei den Parlamentswahlen am 15. März droht sich die rechtspopulistische Partij voor de Vrijheid (PVV) um ihren Spitzenkandidaten Geert Wilders zur stärksten politischen Kraft aufzuschwingen. Die PVV ist die Nachlassverwalterin der Fortuyn-Partei, die nach der Ermordung ihres Gründers einen rapiden Niedergang erlebte.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Uganda vor dem Putsch des Löwen?

von Johanna-Marie Lange

Es war kurz nach Mitternacht Ende Juni, als Soldaten das Gebäude der Nation Media Group in Ugandas Hauptstadt Kampala stürmten und den wichtigsten unabhängigen Fernsehkanal NTV abschalteten. Auch die älteste und größte unabhängige Tageszeitung »Daily Monitor« wurde geschlossen.

Kuba am Abgrund: Wo bleibt die EU?

von Sandra Weiss

Als 1989 die Berliner Mauer fiel, sich kurz danach die Sowjetunion auflöste und langjährige kommunistische Verbündete wie Vietnam und China einen wirtschaftlichen Reformprozess starteten, schien auch auf Kuba der Moment des Umbruchs gekommen.