Ausgabe Juni 2018

Marokko: Die Rebellion der Vernachlässigten

Marokko gilt vielen deutschen Politikern als Fels in der Brandung in einer unberechenbaren Region. Bundesinnenminister Horst Seehofer wird nicht müde, von einem „sicheren Herkunftsstaat“ zu sprechen. Und Gesundheitsminister Jens Spahn begründete diese Einschätzung vor einigen Monaten lapidar damit, Europäer machten schließlich dort Urlaub.[1] Es passt ins Bild, dass ein so attraktives Reiseziel wie Marokko sich nun wiederholt für die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft bewirbt, diesmal für 2026.

Doch dieses Bild zeigt allenfalls die halbe Wahrheit: Im vergangenen Jahr kam es in Marokko zu den größten sozialen Protesten seit dem sogenannten Arabischen Frühling. Und die Welle der Proteste ebbt auch 2018 nicht ab, trotz massiver Repression, die sich in der Verhaftung hunderter Demonstranten und der Einschüchterung kritischer Journalisten und Juristen zeigt. Die Brennpunkte der Proteste liegen in der vernachlässigten ländlichen Peripherie, insbesondere der nördlich gelegenen Rif-Region. Doch inzwischen erfährt die Bewegung auch Unterstützung aus den urbanen Zentren, und sogar in der marokkanischen Diaspora in Europa formiert sich eine transnationale Solidaritätsbewegung.

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In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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