Ausgabe November 2018

Weimar in Washington: Die Totengräber der Demokratie

Bild: Public Domain

Immer wieder erreichen mich, einen auf den Holocaust, die Nazi-Diktatur und das Europa der Zwischenkriegszeit spezialisierten Historiker, Fragen nach den Ähnlichkeiten zwischen der heutigen Situation in den USA und der Zwischenkriegszeit sowie dem Aufstieg des Faschismus in Europa. Tatsächlich erkenne ich mehrere besorgniserregende Ähnlichkeiten und einen wichtigen, aber ebenso besorgniserregenden Unterschied.

In den 1920er Jahren verfolgten die USA außenpolitisch eine isolationistische Linie und lehnten die Teilnahme an internationalen Organisationen wie dem Völkerbund ab. Abgesehen von Finanzabkommen wie dem Dawes-Plan und dem Young-Plan, die sicherstellen sollten, dass die „schnorrenden“ Weltkriegsverbündeten der USA ihre Kriegskredite zurückzahlen konnten, bedeutete America First damals America Alone. Gleichzeitig lähmten hohe Zölle den Welthandel, was die Rückzahlung dieser Kredite deutlich erschwerte. In den Vereinigten Staaten war eine Zunahme der Einkommensungleichheit und eine Konzentration des Wohlstands in der Oberschicht zu beobachten, und sowohl der Kongress als auch die Gerichte scheuten vor Maßnahmen gegen die hausgemachte Bredouille eines freien und ruinösen Wettbewerbs zurück.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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