Ausgabe April 2019

Algerien: Abschied von den Mumien

Seit Wochen treibt es hunderttausende Algerier auf die Straßen ihres Landes. Sie demonstrieren für freie Wahlen und wenden sich gegen die fünfte Kandidatur des altersschwachen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika. Alle Beschwichtigungsversuche des Regimes zeigten bislang keine Wirkung: Am 11. März ließ Bouteflika in einem Brief, über dessen wahre Verfasser spekuliert wird, den Verzicht auf eine neuerliche Kandidatur erklären, zugleich wurde aber der Termin der Präsidentschaftswahl auf unbestimmte Zeit verschoben. Mit kleinen Personaländerungen versucht die Regierung zudem, ihren Willen zur Reform zu beweisen. So machte der bisherige Premierminister Ahmed Ouyahia – wie Bouteflika ein verbrauchter Repräsentant der alten Garde – einem Tandem aus dem vormaligen Innenminister Nourredine Bedoui und dem früheren Außenminister Ramtane Lamamra Platz. Spontan brandeten unter den Demonstranten Jubelstürme auf, als sie von Bouteflikas Verzicht hörten. Dann aber kochte der Zorn hoch: Die Regierung will aus ihrer Forderung „Wahlen ohne Bouteflika“ ein „Bouteflika ohne Wahlen“ machen, empörten sich viele Algerier. So gingen am 15.

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Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

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