Ausgabe Mai 2020

China versus USA: Corona und die neue Weltordnung

Militärärzte salutieren am 15. April 2020 im Huoshenshan-Krankenhaus in Wuhan in der zentralchinesischen Provinz Hubei.

Bild: imago images / Xinhua

Spätestens seit hunderte Millionen Menschen in aller Welt sich voneinander isolieren, ist die neue Coronavirus-Pandemie zu einem wahrhaft globalen Ereignis geworden. Auch wenn dessen geopolitische Implikationen gegenüber den Gesundheits- und Sicherheitsfragen derzeit als sekundär gelten müssen, könnten ebendiese Implikationen sich längerfristig als genauso folgenschwer erweisen – insbesondere im Hinblick auf die Stellung, die die Vereinigten Staaten in der Welt einnehmen. Weltordnungen neigen dazu, sich anfangs schrittweise, dann aber mit einem Schlag zu wandeln. So legte 1956 eine verpfuschte Suez-Intervention schlagartig den Machtverfall des Vereinigten Königreichs bloß und markierte damit das Ende der britischen Weltmachtrolle. Heute sollten die Entscheidungsträger der Vereinigten Staaten erkennen, dass die Coronavirus-Pandemie sehr wohl einen neuen „Suez-Moment“ markieren könnte, wenn das Land sich nicht aufrafft, diesem historischen Augenblick gerecht zu werden.

Außer den engstirnigsten Parteigängern der Trump-Administration dürften inzwischen alle begriffen haben, dass Washington seine erste Reaktion verbockt hat. Fehlleistungen der Schlüsselinstanzen, vom Weißen Haus und dem Heimatschutzministerium bis zur obersten Gesundheitsbehörde des Landes, des Centers for Disease Control and Prevention, haben das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit und Kompetenz der US-Regierung untergraben.

Mai 2020

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