Ausgabe Mai 2021

Corona auf dem Balkan: Pekings Vormarsch, Brüssels Versagen

Der serbische Präsident Aleksandar Vucic erhält eine Injektion von Chinas Sinopharm-Impfstoff gegen COVID-19 in Majdanpek (Serbien), 6. April 2021 (IMAGO / Xinhua)

Bild: Der serbische Präsident Aleksandar Vucic erhält eine Injektion von Chinas Sinopharm-Impfstoff gegen COVID-19 in Majdanpek (Serbien), 6. April 2021 (IMAGO / Xinhua)

Nach wie vor befinden sich weltweit die allermeisten Gesellschaften im Würgegriff des Coronavirus. In Europa trifft die Pandemie mit großer Härte den Osten und Südosten, wo die die meisten Corona-bedingten Todesfälle des Kontinents zu beklagen sind. Insbesondere in den Staaten des westlichen Balkans, die seit Jahren auf eine EU-Perspektive setzen und immer wieder vertröstet werden, enthüllt die Pandemie dabei zugleich schonungslos die geopolitischen Bruchlinien Europas.

Noch im vergangenen Jahr schien es so, als ob die Europäische Union mit ihrer Unterstützung für die südosteuropäischen Nachbarn endlich Ernst machen würde: Auf dem EU-Westbalkan-Gipfel in Zagreb am 6. Mai beschworen die Staats- und Regierungschefs ihre Solidarität mit der Region. Dies wurde mit der indirekten Mahnung verbunden, es vor allem mit der EU zu halten und nicht mit China oder anderen auswärtigen Mächten.[1] Inzwischen jedoch drohen die zugesagten rund 3,3 Mrd. Euro Hilfsgelder der EU zu versanden, zudem bleibt eine nennenswerte Lieferung von Impfstoffen aus. Die EU verweist dabei auf eigene Engpässe – und liefert damit gleich den Gradmesser ihres Versagens mit. In die Bresche springen China und Russland und nutzen die Gesundheitskrise für ihr politisches Kalkül.

Das bietet nicht nur ein Sinnbild für die geopolitische Schwäche des europäischen Bündnisses, sondern auch für sein mangelndes Interesse an den Ländern des westlichen Balkans.

Mai 2021

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