Ausgabe Februar 2022

Demokratie versus Despotie: Sudans Ringen um seine Zukunft

Demonstration in Khartum (Sudan), 9. Dezember 2021 (IMAGO / Xinhua)

Bild: Demonstration in Khartum (Sudan), 9. Dezember 2021 (IMAGO / Xinhua)

Wir haben Bashir gestürzt. Wir haben das Massaker der Armee im Juni 2019 überlebt. Und wir haben die Generäle zu einer Übergangsregierung mit Zivilisten gezwungen. Wir werden auch diesmal siegen!“ Solches Vertrauen in die eigene Kraft bekommt zu hören, wer dieser Tage mit Oppositionellen in der sudanesischen Hauptstadt Khartum telefoniert. Seit dort das Militär am 25. Oktober 2021 gegen den zivilen Teil der zivil-militärischen Übergangsregierung unter Ministerpräsident Abdullah Hamdok putschte, die nach dem Sturz des Langzeitdiktators Omar al-Bashir 2019 den Weg zur Demokratie ebnen sollte, reißen die Proteste der Demokratiebewegung nicht ab. Man hat fast den Eindruck, für die Menschen im Sudan ist der Weg zu einer rein zivilen Regierung ganz ohne Militär zwar ein mühevoller, aber machbarer. Hürden und Hindernisse können alle bezwungen werden. Es brauche nur Mut und Entschlossenheit. In deutschen Ohren mag das, was diese mutigen Menschen im gut 4000 Kilometer entfernten Khartum an Optimismus vermitteln, fast schon ein wenig blauäugig klingen. Schließlich probt hier eine Opposition, die jeder Gewalt abgeschworen hat, den Aufstand gegen ein Militär, das keine Skrupel kennt beim Einsatz von Gewalt.

Februar 2022

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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