Ausgabe April 2026

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

Mitglieder der SPLA im Südsudan. Die einstige Volksbefreiungsarmee SPLA zerfiel in mehrere Fraktionen, die sich heute gegenseitig bekämpfen. Foto vom 29.1.2024 (IMAGO / Joerg Boethling)

Bild: Mitglieder der SPLA im Südsudan. Die einstige Volksbefreiungsarmee SPLA zerfiel in mehrere Fraktionen, die sich heute gegenseitig bekämpfen. Foto vom 29.1.2024 (IMAGO / Joerg Boethling)

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet. Während sich dieser aktuell größten humanitären Krise der Welt im April eine internationale Konferenz in Berlin widmet, bahnt sich im Schatten des Sudankonflikts und weitaus weniger beachtet von der Weltöffentlichkeit auch im Südsudan ein Krieg an, der dem im Sudan in seiner Brutalität in nichts nachzustehen scheint.

»Verschont niemanden!«, ruft General Johnson Olony, Vizechef von Südsudans Armee, seinen Truppen zu: »Weder die Alten noch die Kinder oder die Hühner – kein einziges Haus soll stehenbleiben!«, schreit der General. Die Soldaten, die vor ihm in Reih und Glied strammstehen, jubeln.1 Diese Rede hielt Südsudans Vizearmeechef Ende Januar, kurz bevor er seine Einheiten, die im südsudanesischen Bundesstaat Jonglei zusammengezogen wurden, in den Kampf schickte. Sie läutet offenbar den Beginn einer neuerlichen Runde Krieg im Südsudan ein. Der jüngste Staat der Welt, der erst 2011 durch einen Volksentscheid die Unabhängigkeit vom Sudan erlangte, blickt bereits auf eine lange Gewaltgeschichte zurück.

»Blätter«-Ausgabe 4/2026

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (12.00€)
Druckausgabe kaufen (12.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Krieg im Kongo: Trump und der gordische Knoten

von Simone Schlindwein

Heute gelingt uns das, woran so viele andere gescheitert sind«, prahlte Donald Trump im Dezember 2025, als Kongos Präsident Felix Tshisekedi und dessen ruandischer Amtskollege Paul Kagame zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages im Weißen Haus eintrafen.