Ausgabe Juli 2022

AfD vs. Zivilgesellschaft: Angriff auf die Gemeinnützigkeit

IMAGO/Dominik Kindermann

Bild: IMAGO/Dominik Kindermann

Die Naturfreunde Thüringen engagieren sich nicht nur für nachhaltige Umweltpolitik, sondern stehen auch für demokratische Werte ein: gegen Rassismus, Rechtsradikalismus und Menschenfeindlichkeit. Ihr Bundesverband unterhält sogar eine eigene Fachstelle, die völkischen Ideologien im Naturschutz entgegenwirken will.

Und so war für die Thüringer Naturfreunde am 5. Februar 2020 sofort klar: Die Wahl des FDP-Mannes Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten mit den Stimmen der AfD war ein „absoluter Tabubruch“. So hielten sie es auch auf ihrer Facebook-Seite fest. Abends gehörten sie zu den Tausenden von Menschen, die vor dem Thüringer Landtag demonstrierten – und an den nachfolgenden Tagen wiederkehrten.

Man möchte meinen, dieses gesellschaftspolitische Engagement gehöre in einer Demokratie selbstverständlich dazu. Doch weit gefehlt: Dem stehen allzu oft das Gemeinnützigkeitsrecht – die sogenannte Abgabenordnung – und das örtliche Finanzamt entgegen. So auch in diesem Fall: Nachdem anonyme Anzeigen gegen den Verband und dessen Jugendorganisation eingingen, die sich auf verschiedene Anti-AfD-Facebook-Posts der Naturfreunde auch aus den Jahren vor der Kemmerich-Wahl bezogen, zweifelte das Finanzamt die Gemeinnützigkeit des Vereins an.

Es ist nicht das erste Mal, dass AfD-Politiker*innen oder Personen aus deren Umfeld versuchen, gemeinnützigen Vereinen die Redefreiheit zu entziehen oder diese anderweitig zu attackieren.

Juli 2022

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema