Ausgabe September 2022

Der heilige Krieg der Republikaner

Wie die US-Demokratie Stück für Stück ausgehöhlt wird

Waffenbefürworter bei einer Demonstration in Columbus, 17.1.2021 (IMAGO/ZUMA Wire)

Bild: Waffenbefürworter bei einer Demonstration in Columbus, 17.1.2021 (IMAGO/ZUMA Wire)

Demokratie stirbt im Dunkeln“ mahnt das Motto der „Washington Post“. Vielleicht auch im Fernsehzimmer neben dem Oval Office, wo Donald Trump am 6. Januar 2021 stundenlang den von ihm angespornten „Sturm auf das Kapitol“ gebannt verfolgte. Ohne einen Finger zu rühren, um die Gewalt zu stoppen, wie der Untersuchungsausschuss des US-Kongresses jüngst ermittelte. Er hatte den Putschversuch mit scharfen Worten selbst angestiftet; deshalb ist es sogar denkbar, dass es zur beispiellosen Anklage eines ehemaligen US-Präsidenten kommt.

Und dennoch scheint ausgemacht, dass Trump 2024 wieder als Präsidentschaftskandidat der Republikaner antritt. Es geht nur noch um den Zeitpunkt der Ankündigung. Die Strategen der Republikaner möchten die Kongresswahl im November zum Referendum über die Politik von Präsident Joe Biden und die hohe Inflation machen. Die Demokraten hoffen dagegen, dass Trump es sich nicht entgehen lässt, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen und seine Kandidatur vor der Zwischenwahl verkündet – mit der Angst vor Trump und seinem Mob ließe sich gut mobilisieren.

Grundsätzlich ist der Personenkult um Trump jedoch nur das sichtbarste Symptom für den schleichenden Zerfall der ohnehin defizitären demokratischen Institutionen der USA.

September 2022

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der Kampf um Grönland: Versöhnung als Geopolitik

von Ebbe Volquardsen

Die Stadt Karlsruhe könnte schon bald vor einem Dilemma stehen. Im Januar 2025 zeichnete sie ihren langjährigen Stadtvertreter Tom Høyem (FDP) mit der Ehrenmedaille aus. In den 1980er Jahren war der gebürtige Däne, mittlerweile auch deutscher Staatsbürger, Dänemarks letzter Minister für Grönland – ein Amt aus der Kolonialzeit.

Infantino-Trump: Goldgangster im Gleichklang

von Jan Kursko

Zum Glück gibt es sie doch noch, die Gerechtigkeit auf dieser brutalen Welt! Da beschert ein Mann Millionen den Frieden – und beendet sogar Kriege, angeblich acht an der Zahl, von denen die Welt zuvor noch nie gehört hatte –, und doch hat das Nobelpreiskomitee ihn schnöde rechts liegen lassen.