Ausgabe November 2026

15 Jahre NSU-Selbstenttarnung: Zu viele offene Fragen, zu wenig Konsequenzen

Die Rechtsterroristin Beate Zschäpe beim NSU-Prozess, 16.1.2018 (IMAGO / Funke Foto Services)

Bild: Die Rechtsterroristin Beate Zschäpe beim NSU-Prozess, 16.1.2018 (IMAGO / Funke Foto Services)

Am 4. November liegt die öffentliche Selbstenttarnung des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), der mindestens zehn Menschen ermordete, genau 15 Jahre zurück. Von der versprochenen Aufklärung über Hintergründe wie staatliche Verstrickungen kann nach wie vor keine Rede sein. Während die Opfer und Hinterbliebenen weiter um die Wahrheit ringen, sind die ersten Mittäter bereits wieder in Freiheit.

Kein Schlussstrich« – diese Forderung der Hinterbliebenen und Angehörigen der zehn Opfer der rechtsterroristischen und rassistischen Mordserie des NSU und der Überlebenden der drei von ihm verübten rassistischen Sprengstoff-Anschläge prägt als zentrale Mahnung den Jahrestag der Selbstenttarnung der Terrorgruppe. 

Prominente Unterstützung erhalten die Hinterbliebenen durch die bekanntesten parlamentarischen Aufklärer:innen im NSU-Komplex, die ehemaligen Bundestagsabgeordneten Clemens Binninger (CDU) und Petra Pau (Die Linke). Als »nicht befriedigend« kritisierte der Vorsitzende des zweiten NSU-Untersuchungsausschusses Binninger das Ende der strafrechtlichen Ermittlungen gegen acht der namentlich bekannten Unterstützer:innen des NSU-Kerntrios durch die Bundesanwaltschaft in diesem Jahr. »Wir konnten nicht alle Fragen aufklären«, betonte er bei einer Tagung des »Bundesarchivs«1, das relevante Dokumente der Bundesrepublik digital sichert und zugänglich macht, Mitte Oktober in Berlin.

»Blätter«-Ausgabe 11/2026

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (12.00€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Warnungen aus Weimar

von Daniel Ziblatt

Autokraten sind vielerorts auf dem Vormarsch. Ihre Machtübernahme ist aber keineswegs zwangsläufig. Gerade der Blick auf die Weimarer Republik zeigt: Oft ist es das taktische Kalkül der alten Eliten, das die Antidemokraten an die Macht bringt.