Wer heute in den Gewerkschaften für das vereinigte Deutschland Tarifpolitik strategisch zu strukturieren und später im Ergebnis zu verantworten hat, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Kräftefelder höchst unterschiedlicher Interessen und Erwartungen widerstreiten, die nur mit Mühe in einem gemeinsamen Nenner zu bändigen sein werden. Und wie in der Wirtschaftsentwicklung verläuft auch hier die wichtigste Grenze entlang der alten staatlichen Demarkationslinie. So dürfte nach dem Willen der Mitglieder im Westen vor dem Hintergrund einer boomenden Konjunktur vor allem das in den letzten Jahren an die Kapitaleignerseite verlorengegangene Verteilungsterrain wiederzuerobern sein. Dazu wird sicher hier auch noch nach einer Kompensation der nach der Bundestagswahl beschlossenen höheren Belastungen gerufen werden. Denn davon war schließlich nicht die Rede gewesen in den Wahlkampfaussagen der wiedergewählten Koalition. Und es dürfte nun, zumindest bei West-Arbeitnehmern die verständliche Neigung bestehen, dies als einen Bruch von Versprechungen anzusehen, der das Recht nach sich zieht, etwaige gesamtdeutsche Solidaritätsappelle von Seiten der Regierung - wie jüngst von Helmut Kohl - fürderhin unbeantwortet zu lassen.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.