Ausgabe Juli 1991

Mut zur Selbstbeschränkung

Deutsche Machtpolitik, das Grundgesetz und die UNO

 In der Diskussion um die Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten der Bundeswehr geht es nicht um eine Stärkung der UNO als globales Friedenssicherungssystem, sondern um den Einstieg des seit 1990 größeren Deutschland in eine neue Phase von Machtpolitik. Diesen Gehalt der Debatte scheint mir der "Blätter"-Beitrag von Hans Arnold *) mit seiner Ermutigung zum verstärkten UN-Engagement zu verfehlen.

Deutsche Machtpolitik

Dem Bestreben, verfassungsmäßige Beschränkungen der Einsatzmöglichkeiten deutscher Streitkräfte durch eine Änderung des Grundgesetzes zu überwinden, kommt große politisch-symbolische Bedeutung zu. Der in Kreisen der Friedensbewegung in der letzten Zeit hin und wieder angeführte Vergleich, daß es hier um eine Frage ähnlicher Tragweite gehe wie bei der Entscheidung zur Remilitarisierung der BRD Anfang der 50er Jahre, scheint nur auf den ersten Blick überzogen.

Denn mit dieser angestrebten Verfassungsänderung will herrschende Politik deutlich machen, daß die Deutschen nunmehr endgültig aus dem Schatten von Faschismus und Weltkrieg heraustreten und ihren Status als Verlierer dieses Krieges abschütteln wollen.

Juli 1991

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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