Ausgabe November 1991

Zu diesem Heft

Hinterher ist man immer klüger. Bei der deutschen Vereinigung ist das nicht so; das Jahr Eins hat dieses Sprichwort offenbar widerlegt. Nicht schlauer sind wir, sondern vieles ist noch ungewisser als zuvor. Für den neudeutschen Politikstil ist das freilich kein Grund, den Mahnern von gestern die Ehre zu erweisen.

Denn was angeblich alternativlos ist, bedarf auch keiner rückblickenden Rechtfertigung. Politik als Schicksal? - Wie auch immer, am Ende des ersten Vereinigungsjahres besteht Anlaß genug, in nüchternen Bilanzen und engagierten Protokollen dem Gedächtnis und der Politik in der vergrößerten Bundesrepublik auf die Sprünge zu helfen. Solchen Rück- und Ausblicken ist das vorliegende Heft gewidmet. Die Beiträge stammen von ostdeutschen Autorinnen und Autoren, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Dieser Akzent ist programmatisch. Zu Worte kommen jene, die in teilnehmender Beobachtung am meisten in den Vereinigungsprozeß involviert sind, denen aber in den westdeutschen Medien allenfalls Gastrechte eingeräumt werden. Ihre Mitarbeit an dem vorliegenden Heft ist uns wichtig - nicht nur als Betroffene, sondern auch als engagierte Mitstreiter für eine nachholende Demokratisierung des weithin administrativen Vereinigungsvorganges - "Vollzug der Einheit" lautet inzwischen das bürokratische Stichwort.

November 1991

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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