Ausgabe November 1991

Chronik des Zeitgeschehens

Chronik vom 6. September bis 5. Oktober 1991

6.9. - U d S S R. Der neugeschaffene Staatsrat (vgl. "Blätter", 1O/1991, S. 1278 f.) tritt unter Vorsitz von Präsident Gorbatschow in Moskau zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. In einem Beschluß wird die Unabhängigkeit Estlands, Lettlands und Litauens formell anerkannt.

Hauptaufsätze

Einheitsschäuble, Schäubleeinheit

Bücher, die unter dem Namen amtierender Politiker in Umlauf gebracht werden, finden in der Regel wenig Beachtung. Und zu recht, denn in der Regel kommen solche PR-Erzeugnisse über die branchenüblichen Sprechblasen kaum hinaus.

Die geteilte Vergangenheit

In 10 bis 15 Jahren, das hat uns der Politikwissenschaftler Hans-Peter Schwarz verraten, werden wir auf fundierte Erträge zeitgeschichtlicher Forschung über Einheit und Vereinigung zurückgreifen können. Über Bewertungen hat er sich nicht geäußert.

Das Gesicht der Vereinigung

Die am häufigsten bemühte Metapher der deutsch-deutschen Vereinigung ist die des Liebespaares, das durch widrige Umstände und böse Mächte lang nicht zueinander kommen konnte und unzähliche Hindernisse überwinden mußte, um sich endlich zu kriegen. Auch das Medienspektakel schien oft auf diese Metapher hin inszeniert.

Die innere Kluft

Es war ein naßkalter und düsterer Abend als ich 1984 im Anschluß an eine Lesung in der Galerie Unter den Linden, schräg gegenüber der sowjetischen Botschaft, ein Buch erwarb, das mich nicht sonderlich interessierte. Zum Kauf animierten mich weder Text noch Autor, sondern ein Bild (Abbildung 1 siehe PDF Datei).

Zweierlei Recht?

Die redaktionellen Vorhaben, nach einem Jahr Einheit ostdeutsche Autorinnen und Autoren Bilanz ziehen zu lassen, durchbrechen wir mit dem nachstehenden Zwischenruf des Hamburger Richters Bernd Hahnfeld zur laufenden "Stasi"-Debatte.

Der Wessi

1. In den Abendstunden des 10. November 1989 schoben sich noch immer Zehntausende ausgelassener Menschen über den Westberliner Kurfürstendamm. Seit der unerwarteten Grenzöffnung, die die Abschottung der DDR und bald darauf diese selbst beendete, waren gerade vierundzwanzig Stunden vergangen; genug, um bei den sich überstürzenden Ereignissen außer Atem zu geraten.

Der Streit um die Namen

In New York und in Mannheim haben die Straßen keine Namen sondern Nummern. Ein glücklicher Einfall der Stadtväter, der ihnen viele Scherereien erspart hat. Zahlen sind feststehend und auch unpolitisch. Ihre Wertigkeit verändert sich nicht, wenn ein neuer Landesfürst den Thron besteigt oder von einer Volkserhebung hinuntergestürzt wird.

Das erste Lehrjahr West

"Es kommen bessere Zeiten", lautet seit Monaten die frohe Botschaft, und wie nicht anders zu erwarten zeigt sich, daß manche wirklich ihr Glück gemacht haben. Wer allerdings heute das Wort Glück ausspricht, meint schon lange nicht mehr die Urlaubsreise in der Hochsaison oder den trickreich vorfristig erworbenen hellgrünen Trabi.

Kolumne

Editorial

Zu diesem Heft

Hinterher ist man immer klüger. Bei der deutschen Vereinigung ist das nicht so; das Jahr Eins hat dieses Sprichwort offenbar widerlegt. Nicht schlauer sind wir, sondern vieles ist noch ungewisser als zuvor. Für den neudeutschen Politikstil ist das freilich kein Grund, den Mahnern von gestern die Ehre zu erweisen.

Medienkritik

Pflichtübungen

Moderne Videogeräte haben eine nützliche technische Einrichtung: das Video-Programming-System (VPS) startet die Aufnahme, einem Sendersignal folgend, unabhängig von der Uhrzeit erst dann, wenn die aufzuzeichnende Sendung wirklich beginnt.

Wirtschaftsinformation

Ostdeutschland in der Talsohle

"Es mehren sich die Anzeichen, daß die rasante Talfahrt der ostdeutschen Wirtschaft zu Ende gegangen ist." So der verhalten optimistische Grundton in vielen Analysen der ostdeutschen Wirtschaft, hier in dem gemeinsamen Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) über "Gesamtwirtschaftliche u