Ausgabe August 1992

Das Perot-Syndrom

"Das Land hat ohne mich schon genügend Probleme", sagte Ross Perot, als er 1987 gefragt wurde, ob er Präsident werden wolle 1). An diesem Punkt ist er - nach mehreren Monaten Höhenflug als "inoffizieller" unabhängiger Präsidentschaftskandidat - wieder angelangt: Mitte Juli zog Perot seine nie erklärte Kandidatur zurück. Bei Umfragen im Frühsommer 1992 gaben 30 bis 40% der Wählerinnen und Wähler an, sie würden für Perot stimmen. Das ist jetzt vergessen, ebenso wie der Perot-Spruch, daß "das Volk" ihn gerufen habe, weil die beiden großen Parteien Amerika nicht aus der Misere herausführen könnten. Was bleibt, ist das Signal, daß das amerikanische Zweiparteiensystem auf dem Sterbebett liegt. Die Hintergründe des Rückzugs bleiben unklar. Perot gibt an, er sei zu der Einsicht gelangt, daß er keine absolute Mehrheit erhalten würde - aber das war eigentlich nichts Neues.

Eine Chance hätte er dennoch gehabt: Für einen Perot ist Platz in der amerikanischen Landschaft, weil "die USA" für die Amerikaner mit Ausnahme der Reichen nicht mehr funktionieren.

August 1992

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