Ausgabe Dezember 1992

Formiert sich eine neue soziale Bewegung von rechts?

Folgen der Ethnisierung sozialer Konflikte

Die Geschichte der Ausländer in Deutschland nach 1945 ist eine Geschichte der Integration und der Ausgrenzung, eine Geschichte der Diskriminierung und der Assimilierung. Seit der Zuwanderung von angeworbenen Gastarbeitern in den 60er Jahren und der späteren Ausdifferenzierung der Ausländerbevölkerung in Gastarbeiter und Einwanderer verschiedener Generationen, Flüchtlinge und Asylbewerber ist eine konfliktreiche Vielfalt von ethnisch-kulturellen Lebensformen neben und unterhalb der hegemonialen, real existierenden deutschen Kultur entstanden. Es waren und sind vor allem Teile der Kirchen und der Gewerkschaften, die eine offensive Politik der Ausländer-Integration betreiben und aus verschiedenen Gründen die Bundesrepublik als Einwanderungsland betrachten. Eine Denkschrift der Evangelischen Kirche betonte schon im Jahr 1980: "Wir leben in der Bundesrepublik in einer multikulturellen Gesellschaft." 1)

Fragen des Zusammenlebens von Deutschen und Ausländern sind im Hinblick auf die Geschichte der alten Bundesländer nicht neu. Anders ist es in den neuen Bundesländern. Hier mangelt es an Erfahrungen und an Konfliktgeschichten mit ausländischer Wohnbevölkerung. Die Ideologie der "Völkerfreundschaft" bietet dafür keinen Ersatz.

Dezember 1992

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die Wehrpflicht gleicher Bürger

von Sven Altenburger

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat in Deutschland eine intensive Debatte über die Notwendigkeit einer Wehrpflicht ausgelöst. Dabei werden die ideengeschichtlichen Grundlagen der Wehrpflicht von ihren Gegnern regelmäßig verkannt, nämlich Republikanismus und Egalitarismus.

Frieden durch Recht

von Cinzia Sciuto

Am Anfang stand der 11. September 2001. Danach wurde die Lawine losgetreten: Ein langsamer, aber unaufhaltsamer Erdrutsch erfasste die internationale rechtliche und politische Ordnung. Ein Erdrutsch, der nach und nach die supranationalen Institutionen und die stets fragile, aber nie völlig illusorische Utopie einer friedlichen und auf dem Recht basierenden Weltordnung tief erschüttert hat