Ausgabe August 1993

Ringen um die Integration Deutschlands

Zum Verhältnis von Innen- und Außenpolitik und zur Rolle des Bundesverfassungsgerichts

I

Die internationale Politik scheint an einem Scheideweg zu stehen. Gelingt es der durch einen aggressiven Nationalismus an vielen Punkten der Welt bedrohten Staatengemeinschaft, die relative Stabilität aus der Zeit des Kalten Krieges hinüberzuretten? Oder ist eher zu erwarten, daß vor allem zwischen den großen Industrieländern gefährliche Konflikte heraufziehen 1), die nicht nur den sog. Entwicklungsländern keine Chance mehr ließen? Die Beantwortung dieser Fragen dürfte in starkem Maße davon abhängen, welchen Lauf die politische und wirtschaftliche Entwicklung in Europa nehmen wird. Sind einerseits Jugoslawien und die CSFR auseinandergebrochen und können weitere Staaten in ihrer Integrität erschüttert werden, so ist mit dem vereinten Deutschland im Zentrum Europas ein gewaltiges Machtpotential entstanden, das objektiv das europäische wie das globale Machtgleichgewicht fundamental ändert. Entscheidend wäre somit, wie Deutschland nach Inkrafttreten des "Vertrags über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland" (sog. 2+4-Vertrag) am 15. März 1991 zur Aufrechterhaltung der Stabilität beitragen kann. Das setzt aber voraus, daß es das tatsächlich auch will, was freilich noch keine ausgemachte Sache ist.

Wenn ja, bleibt die Frage, auf welchem Weg und mit welchen Mitteln dieser Beitrag zu erreichen ist.

August 1993

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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