Ausgabe Januar 1994

Heil Jopi

Johannes Heesters durfte seinen 90. Geburtstag mit einer Gala im öffentlich-rechtlichen Fernsehen feiern (am 5.12.1993 um 20.15 Uhr). Aber das ZDF hat damit nicht gegen seinen Programmauftrag verstoßen: Frohsinn zu verbreiten in diesen apokalyptischen Zeiten, gehört auch dazu.

Johannes Heesters, geboren also vor 90 Jahren in Holland, gab eine Ausbildung zum Bankkaufmann (nach anderen Quellen das Priesterseminar) auf, um in Amsterdam die Bretter, die die Welt bedeuten, zu bevölkern. Seine Spezialität waren damals schon die Operetten, wie später dann auf der Leinwand. 1934 ging er nach Wien, dann 1936 nach Berlin als privilegierter Ufa-Star. Nach dem Krieg war seine Karriere keineswegs zu Ende, auch wenn die alten Muster etwas weniger gefragt waren. Während er vorher mit der Figur des Danilo in Die lustige Witwe identifiziert wurde (über 3000 Aufführungen auf der Bühne), beanspruchte er nach dem Krieg, als Schauspielerpersönlichkeit wahrgenommen zu werden. Aber es reichte nur zu ein paar nostalgischen Filmen und Kurz-Fernsehspielen der Gattung Komödienstadel. Es war also vor allem sein Ruhm aus alten Zeiten, der ihn jetzt zum Gegenstand der Bewunderung werden ließ.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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