Ausgabe August 1996

New Labour: Blairs Weg in die Mitte

Beginnen wir mit ein paar einfachen Fragen zu den beiden größten Parteien Großbritanniens und ihren Vorsitzenden. Wer beispielsweise wird gemeinhin als "hart", "skrupellos" und "autokratisch" beschrieben? Wer hat gesagt: "Wir lassen uns von den Gewerkschaften nicht herumschubsen" und "Großbritannien braucht erfolgreiche Menschen in der Wirtschaft, die aufgrund ihres Erfolges reich werden können"? Wer betont in nahezu jeder Erklärung zu Wirtschafts und Finanzfragen die Notwendigkeit, die Wirtschaft zu konsultieren, bevor Entscheidungen getroffen werden, und unterstreicht die Tugenden orthodoxer Finanzpolitik sowie die Bedeutung einer erfolgreichen Kontrolle von Inflation und öffentlichen Ausgaben? Wer hat die Ansicht vertreten, Großbritannien sollte sein atomares Abschreckungssystem beibehalten, und seine Bereitschaft erklärt, es auch einzusetzen? Welche Partei spricht von einer Ausweitung polizeilicher Befugnisse und gar von der Einführung von Ausgangssperren zur Bekämpfung der Jugendkriminalität? Und wer hat auf seinem letzten nationalen Parteitag jede wichtige Abstimmung gewonnen?

Vor zehn Jahren - oder auch noch vor fünf - hätte die Antwort nur lauten können: die Konservative Partei und ihre Führung.

August 1996

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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