Ausgabe Juli 1997

Zote im Zentrum

Jürgen von der Lippe ist ein beliebter Fernsehunterhalter, in dessen Shows es locker und zuweilen sogar geistreich zugeht. Seine leicht verdauliche, nie die Grenze zur bissigen Kritik überschreitende Moderation ist eine gut funktionierende Mischung aus Professionalität und Improvisation. Auch wenn letztere den Eindruck macht, sorgfältig einstudiert zu sein, so schafft die ironische Distanz, die er zu den Spielregeln des Mediums, zu den Konventionen der Sendeformate (Talkshow, Publikumswettkämpfe, Studiosituation) und nicht zuletzt auch zur eigenen Rolle hält, eine Atmosphäre von kindlicher Offenheit, in der das Saalpublikum (so erscheint es jedenfalls dem Zuschauer vor dem Bildschirm) nicht für dumm verkauft, sondern ernstgenommen wird und beim Lachen den Verstand nicht abschalten muß.

Lippe tingelt auch mit einem Soloprogramm übers Land. In einer zweiteiligen Übertragung (Der Blumenmann, ARD, 14. und 15. Juni) konnte eine dieser Veranstaltungen (in Kaiserslautern) am Bildschirm verfolgt werden: Sie ergänzt in aufschlußreicher Weise das Bild. Ohne Spielkandidaten und Gesprächspartner bestreitet der Entertainer allein das Programm, spielt kurze Szenen, singt Lieder und erzählt dabei und zwischendurch, vor allem Witze. Schon in Geld oder Liebe waren schlüpfrige Kommentare zu (angeblich von Zuschauern eingeschickten) Photos fester Bestandteil des Abends geworden.

Juli 1997

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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