Ausgabe September 1997

Die Normalität des Stillstands

Politikstillstand - Politikblockade! Alles stöhnt und jammert. Nichts geht mehr. Der Bundespräsident fordert, es müsse ein Ruck durchs Land gehen. Der Kanzler droht mit vierzehn Monaten permanentem Wahlkampf. Der BDI-Präsident will Verfassung und Wahlrecht ändern, er stellt den jetzigen Föderalismus in Frage und will das Mehrheitswahlrecht einführen. Die Elefantenrunden der Parteivorsitzenden sind im Frühsommer nicht zu Potte gekommen, als über die "große Steuerreform" beraten wurde. Der Vermittlungsausschuß tagt zur gleichen Problematik - vergebens. Man geht in die nächste Vermittlungsrunde. "Die Republik ist erstarrt, ihre Strukturen sind verkrustet, die Parteien zu Machtapparaten verkommen. Einflußreiche Interessengruppen verhindern jede Reform oder verwässern sie ... bis zur Unkenntlichkeit", so das harsche Urteil des "Spiegel" (32/1997, S. 63).

Reformbedarf, Reformdruck - und doch scheitern alle Reformprojekte: große Steuerreform, Rentenreform, Gesundheitsreform. Von Bildungsreform spricht und schreibt schon keiner mehr, obwohl sie doch bitter nötig wäre.

September 1997

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Indonesien: Die Wut der Gen Z und ihr Kampf gegen die Eliten

von Markus Berg

Seit zwei Jahren ist Indonesiens Präsident Prabowo Subianto nun im Amt – der konservative Ex-General folgte im Oktober 2024 auf den beliebten einstigen Reformer Joko Widodo, kurz: Jokowi, der das Land zehn Jahre lang regiert hatte.

Führungsfetisch statt Bürgernähe

von Markus Linden

Der rasende Autoritäts- und Machtverlust, den die Union und der Bundeskanzler binnen nicht einmal zwei Jahren an der Regierung erlitten haben, erklärt sich nicht zuletzt durch Friedrich Merz’ Führungsstil. Merz setzt ganz auf cäsaristische Anweisung von oben.