Ausgabe Oktober 1997

Hoffnungen, die nur enttäuscht werden können

Supergeld - Superstaat?

Jack Langs Philippika gegen den Vertrag von Amsterdam ist Anlaß zu Hoffnung und Sorge zugleich. Sie ist der Appell eines begeisterten Europäers, die unerträgliche Entropie in Europa zu überwinden, sie ruft auf zum Befreiungsschlag gegen Kleinmütigkeit und Trägheit und akzeptiert ein selbstbewußtes Amerika als Vorbild für die Alte Welt. Jack Lang fordert emphatisch eine europäische Föderation mit einer handlungsfähigen Bundesregierung, die Europas institutionelle Erstarrung angesichts der brennenden Herausforderungen unserer Zeit aufbrechen soll. All dies sieht er in dem Vertrag von Amsterdam nicht verwirklicht. Wohl wahr, auf dem EU-Gipfel von Amsterdam konnte die politische Union Europas nicht entscheidend vorangebracht werden. Dies muß man als schwerwiegendes Defizit empfinden.

Den Ursachen des fehlenden europäischen "feel-good"-Faktors nähern wir uns damit allerdings nicht. Es ist die mit Wachstumsschwäche verbundene unerträglich hohe Arbeitslosigkeit in Europa, die wie ein Mühlstein auf der europäischen Seele lastet und uns die Freude am sich abzeichnenden Wirtschaftsaufschwung vergällt. Am Problem der Massenarbeitslosigkeit gilt es also anzusetzen, doch zum Erfolg bedarf es der weisen Wahl der Mittel. Hier weist der von Jack Lang aufgezeigte Weg in die Sackgasse.

Oktober 1997

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