Ausgabe Oktober 1997

Europäische Föderation als Leitbild

Supergeld - Superstaat?

Jack Langs Ausführungen sind erfrischend und notwendig. Sie weisen in aller Deutlichkeit auf einen gravierenden Mangel der europapolitischen Diskussionen hin: den Mangel an Weitsicht, Leitbildern und Visionen. Europa braucht eine Vision, ein Leitbild: die Europäische Föderation mit globaler Gestaltungsfähigkeit! Sie ist objektiv zwingend, weil die Herausforderungen der Globalisierung nur zu bestehen sind, wenn die Staaten der Europäischen Union ihren nationalen Egoismus und ihren Provinzialismus überwinden und die scheinbaren Nachteile eines Souveränitätsverzichtes gegen die Vorteile einer global handlungsfähigen politischen Union eintauschen. Sie kann Menschen überzeugen und begeistern, weil sie der Integration Richtung und Orientierung gibt und mit den Fragen zur Gestaltung einer supranationalen Demokratie die Beteiligung und das Engagement großer Bevölkerungsteile als Voraussetzung ihrer Gestaltwerdung benötigt. Markt und Geld taugen alleine nicht, um die Menschen zu begeistern und sie für neue Anstrengungen zu motivieren. Natürlich ist pragmatisches Handeln und Wirklichkeitssinn eine unabdingbare Voraussetzung für Fortschritt und Weiterentwicklung, denn ohne die Realitäten zu berücksichtigen, würde politisches Handeln ins Leere gehen.

Oktober 1997

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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