Ausgabe Dezember 1997

Der Stammtisch schätzt besser

Ende Oktober haben die deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute wieder ihre jährliche Herbstprognose abgegeben. Diese Vorhersagen spielen neben den dieser Tage vorgelegten Jahresgutachten des Sachverständigenbeirates der Bundesregierung ("Fünf Weise") in der wirtschaftspolitischen Debatte für Bundesregierung, Parteien und Tarifpartner eine wichtige Rolle. Die Gutachten der sechs in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Wirtschaftsforschungsinstitute zusammengeschlossenen Institute enthalten drei Teile: zunächst eine Analyse der Konjunkturentwicklung im laufenden Jahr, dann eine Prognose der Wirtschaftsentwicklung im kommenden Jahr und zuletzt allgemeine wirtschaftspolitische Empfehlungen. Dabei fällt auf, daß die Institute in den letzten Jahren zunehmend über ihre originäre Aufgabe hinausgegangen sind, und immer umfangreichere und detaillierte Ratschläge zu Wirtschafts-, Finanz-, Steuer und sogar Sozialpolitik erteilen. In den letzten Gutachten ist der Teil "wirtschaftspolitische Empfehlungen" umfangreicher als Analyse- und Prognoseteil zusammen.

Tabelle 1 Bruttoinlandsprodukt (siehe PDF Datei)

Die zum großen Teil aus Steuermitteln subventionierten Institute vertreten seit Jahren - mit unterschiedlicher Vehemenz - insgesamt eine dezidiert "angebotsorientierte" Wirtschaftspolitik.

Dezember 1997

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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