Ausgabe Januar 1998

Tim und Struppi am Kongo

Rassistische Stereotype in Hergés Afrika

Die Bürgerkriege in den beiden Kongo-Staaten sind wieder weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. In ihrem Verlauf war das Agieren der Großmächte hinter den Kulissen nicht zu übersehen: so erleichterten die Vorfinanzierungen seitens US-amerikanischer Bergbauunternehmen für zwischenzeitlich abgeschlossene Milliardengeschäfte den Rebellen ihren Vormarsch auf Kinshasa, während Frankreich das Mobutu-Regime bis zum letzten Atemzuge auch militärisch unterstützte.

Dennoch wurden die Großmachtinteressen in der Berichterstattung eher zweitrangig behandelt. Vielmehr konzentrierte man sich auf die detaillierte Wiedergabe eines "Stammeskriegs", geführt von korrupten Diktatoren und ihren angetrunkenen Soldaten ohne Kampfmoral, die mordend und plündernd durch Dörfer zogen, die sie eigentlich verteidigen sollten. Angesichts der Tausenden von Opfern, unter ihnen eine Million Menschen in den Flüchtlingslagern, die seit Jahren gegen Hunger und Elend kämpfen, wurde uns gleichsam täglich vor Augen geführt, daß die Afrikaner zur Lösung dieses Chaos nicht mehr in der Lage seien.

Januar 1998

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.