Ausgabe Januar 2000

Kohl-Finsternis

Was für eine Farce! Keine drei Wochen war es her, daß sich der Altbundeskanzler und CDU-Ehrenvorsitzende Helmut Kohl aus Anlaß der zehnjährigen Wiederkehr des 9. November 1989 als nationales Denkmal und Weltenlenker inszeniert hatte. Es jagten sich die Ehrungen im In- und Ausland. Wahre Anhängerscharen, alte wie neue, hatten ihn schon wieder mit Helmut-Helmut-Chören auf ihren Schild gehoben. Man mußte bereits sein politisches Comeback fürchten und dann das. Was als Räuberpistole vom Millionenkoffer im schwäbischen Supermarkt begonnen hatte, wuchs sich zur Existenzkrise der CDU und zur Offenbarung Helmut Kohls aus. Mehr noch: Nicht nur das "Denkmal Kohl", das ganze Geschichtsbild der Bundesrepublik bekam einen Riß. Erinnern wir uns: Zwei Ereignisse stachen heraus in diesem Gedenkjahr der Superlative - 50 Jahre Bundesrepublik inklusive Grundgesetz und 10 Jahre Mauerfall. Zunächst feierte man in an Selbstbeweihräucherung grenzender Weise die 50 Jahre der Bonner Demokratie parteiübergreifend als "atemberaubende Erfolgsgeschichte" (Antje Vollmer), um sich anschließend der fast schon in Vergessenheit geratenen Freude über den Sturz der Mauer zu erinnern.

Kohl-Feiern

Und in beiden Inszenierungen spielte Kohl die tragende Rolle.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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