Ausgabe Juni 2001

Ohne Gnade

Daß das Thema heikel ist, erfuhr RTL schon vor der Ausstrahlung: Durch Unterlassungsanträge sollte die Sendung des Fernsehspiels Todesstrafe - Ein Deutscher hinter Gittern (16.5.2001) verhindert werden. Eine vermutete zu große Ähnlichkeit der fiktiven Erzählung mit seinem realen Fall könnte, so befürchtete der seit 1988 in Miami auf seine Hinrichtung wartende mutmaßliche Mörder Dieter Riechmann, das Wiederaufnahmeverfahren negativ beeinflussen. Seine Reaktion beweist: Die erzählte Geschichte ist aktuell und politisch brisant. Corinna, eine junge und karrierebewußte Reporterin, erhält den Auftrag, den in der Todeszelle einsitzenden Deutschen Klaus Jansen zu interviewen und daraus eine Artikelserie zu machen. Jansen hat angeblich vor sieben Jahren seine Frau ermordet und soll aufgrund eines Indizienurteils in einer Woche hingerichtet werden. Er beteuert seine Unschuld, aber Hinweise, die zu seinen Gunsten gewertet werden könnten, erschienen dem Gericht nur als Maßnahmen des Täters zur Irreführung der Polizei.

Der Fortgang scheint klar: Corinna beginnt, an Jansens Unschuld zu glauben, ein persönliches Verhältnis entsteht, und statt der Reportage schreibt sie das Gnadengesuch. Aber von nun an läuft es anders als erwartet. Der eindeutige Unschuldsbeweis taucht nicht auf, der Todeskandidat wird hingerichtet.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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