Wer hätte das im Oktober 1990 zu prophezeien gewagt? Keine elf Jahre nach der Wiedervereinigung spricht vieles dafür, daß die PDS an der nächsten Berliner Landesregierung beteiligt sein wird. Die "Frontstadt Berlin" ist damit endgültig passé. Dabei konnte man es schon nicht mehr hören: Das hohle Lied vom Ende des alten West-Berlin. Gar zu lange zog sich dieses Dahinscheiden hin. Noch nach jeder neuen Degradierung Klaus Landowskys, vom Bankvorsitzenden zum Nur-Noch-Fraktionsvorsitzenden zum Nur-Noch-Parteivize, wurde der Abschiedssong halb wehmütig-nostalgisch, halb keck-triumphierend intoniert. Was zunächst wie eine typische Berliner Provinzposse aus dem Geist des Kalten Krieges erschien, die nur vor dem Hintergrund einer jahrzehntelang subventionierten Berliner Klüngelwirtschaft gedeihen konnte, weitete sich zum größten Banken- und Regierungsskandal aus. Und mit der Aufkündigung der großen Koalition und dem Ende der Ara Landowsky/Diepgen ist es jetzt tatsächlich regierungsamtlich: So wie Berlin während der vergangenen fast 20 Jahre regiert wurde, wird es nicht wieder sein. 16 Jahre Diepgen, nur kurz unterbrochen durch die rot-grüne Momper-Episode, gehören mit der Wahl des rot-grünen Übergangssenats unwiderruflich der Vergangenheit an.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.