Wenn selbst ein so untadeliges Blatt wie die Belgrader "Republika", ein Jahrzehnt lang Bastion der mutigsten Bürgerrechtler Serbiens, "Enttäuschung über Mazedonien" äußert und es "ein bißchen naiv" nennt, "zu glauben, wenigstens dieses Land könne dem bösen Verhängnis des Konflikts entrinnen" 1) - dann ist Gefahr im Verzug. Eine Gefahr für Mazedonien nämlich, dessen ganz "unbalkanische" Friedfertigkeit, konzeptionell beschworen und strukturell verankert, in dem Maße verkannt wird, wie das Land sich zu ihrer Verteidigung gezwungen sieht. Und es ist gezwungen, eine enorme Wirtschaftslast zu schultern: Wie die mazedonische Wirtschaftskammer Mitte Juli bekanntgab, belaufen sich die bisherigen Kriegsschäden auf rund 628 Mio. DM. Fast 26 000 Firmen sind mehr oder minder zahlungsunfähig, die gesamte Produktion des Landes ist um 7,2% zurückgegangen, und das alles passiert in einem Moment, da sich die EU-Märkte gegenüber Mazedonien öffnen und das Land eigentlich auf einen ökonomischen pottik (Anstoß) gehofft hatte. Mazedonien war einmal südlichste Teilrepublik Jugoslawiens.
Vor dem Dolmabahçe-Palast am Bosporus hat die Polizei den Gehweg abgesperrt. Aktivistinnen der Republikanischen Volkspartei (CHP) aus dem Istanbuler Bezirk Beşiktaş demonstrieren hier seit Wochen gegen die juristischen Eingriffe in ihre Partei, die stärkste Oppositionskraft des Landes.