Ausgabe Oktober 2001

Erst nur Bilder

Wie zuletzt beim Ausbruch des Golfkriegs unterbrachen alle Fernsehsender das normale Programm, nachdem durch drei entführte Passagiermaschinen und deren gezielte Crashs der größte terroristische Anschlag auf die USA und vielleicht weltweit seit Menschengedenken verübt worden war. Die ganze Welt schaltete sich zu, alle sahen dieselben Bilder des Schreckens: die brennenden und dann in sich zusammenstürzenden Türme des World Trade Center und das in Flammen und Rauchwolken gehüllte Pentagon. Man wiederholte sie, vor allem die direkten Aufnahmen des zweiten Crashs, immer wieder und ließ sie außerdem im Hintergrund als Bilderschleife bei Kommentaren und Korrespondentenberichten mitlaufen.

Der Augenblick, der so viel verändern sollte, dauerte auf diese Weise einen Nachmittag und eine Nacht lang, gänzlich ununterbrochen von anderen Sendungen. So wird er sich bislang ungekannter Intensität einbrennen in das Bildergedächtnis der Menschheit - Signum eines geschichtlichen Wendepunktes. Trotzdem hatten die Redaktionen das Problem, die fast unbegrenzte Sendezeit zu füllen. Sie reagierten mit der für solche Situationen eingefahrenen Routine, deren Unzulänglichkeit sich nicht nur in den üblichen Koordinationsproblemen ("Ich kann Sie nicht hören" usw.) äußerte.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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