Ausgabe Dezember 2001

Die Neudefinition der Sicherheit

Die einzigartig monströse Qualität der Angriffe vom 11. September kann man sich mit Blick auf den Umstand klarmachen, daß wohl noch niemals außerhalb des Kontextes erklärter zwischenstaatlicher Kriege durch einen einzigen Akt organisierten Aggressionshandelns von Zivilpersonen so viele Menschen gleichzeitig ums Leben gebracht worden sind wie bei den Ereignissen in New York und Washington. Es erscheint heute nicht allzu riskant, diese Ereignisse als eine zeitgeschichtliche, innen- und außenpolitisch gleichermaßen folgenreiche Zäsur zu betrachten und sie in dieser Hinsicht auf eine Stufe mit den Ereignissen vom November 1989 zu stellen. Ganz schematisch könnte man sagen: Am 9.11.1989 hat der Westen seinen Feind verloren. Am 11.9.2001 hat er einen anderen Feind wiedergefunden. Einzigartig ist auch die Tatsache der Koinzidenz von Massenmord und kollektiver instrumenteller Selbsttötung von (bis zu) 19 Personen.

Die Frage ist, welcher Verbund von Motivlagen und Organisationsstrukturen dafür verantwortlich ist, daß die menschliche Selbsttötungshemmung im Dienste nicht nur eines expressiven Akts religiösen Wahns, sondern im Dienste eines zielgerichtet koordinierten Plans ausgeklinkt worden ist.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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