Ausgabe Februar 2002

Blairs Part

Was genau Tony Blair sich von seinen jüngsten Weltreisen verspricht, ist schwer zu bestimmen. Seit dem 11. September geht der britische Premier immer wieder auf Tour, um George Bushs Krieg gegen den Terrorismus und seine Vermittlungsbemühungen im aktuellen indisch-pakistanischen Konflikt zu unterstützen. Blairs Sechstagetrip auf den indischen Subkontinent im Januar war seine sechste Auslandsreise seit September. Er besuchte den Nahen Osten, Afghanistan, jetzt Indien und Pakistan, und eine Afrikatour befindet sich in Planung. Daß er Vizechef der von den Vereinigten Staaten geschaffenen Anti-Terror-Allianz werden könne, kann Blair nicht wirklich erwarten, auch wenn einige Kritiker zuhause ihm diese Ambition unterstellen.

Doch dürfte er Washington gut genug kennen, um zu wissen, daß man ihn zwar als Helfer und Cheerleader willkommen heißt, es aber am Tisch der Führung keinen freien Platz gibt. Präsident Bush verläßt sich bei der Ausübung seines Amtes auf den Rat des Vizepräsidenten, des Außen- und des Verteidigungsministers sowie einiger anderer Amerikaner. Nähme er einen ausländischen Politiker in den inneren Führungszirkel auf, würde er sich parteiübergreifender Kritik aus dem Kongreß aussetzen. In Kontinentaleuropa denken manche, daß der Brite ein Doppelspiel treibt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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