Ausgabe März 2002

Alle Macht den Amateuren?

Vor sieben Jahren verfaßten einige dänische Filmregisseure ein Manifest namens DOGMA 95, in dem sie sich für ihre künftigen Projekte zur Einhaltung strenger Regeln verpflichteten: Die Verwendung von Stativ, künstlicher Beleuchtung, von gebauten Kulissen oder Off-Musik war fortan strikt verboten. Das "back to basics"Prinzip, zumindest im technischen Bereich, richtete sich aber vor allem gegen die wachsende Verwendung von computergenerierten Tricktechniken im Hollywood-Film, mit denen infantile Phantasie(oder Fantasy-) Produkte endgültig dominant wurden. "Die Illusion ist alles, hinter dem sich der Film verstecken kann", heißt es im Manifest. Aus der Ferne läßt sich die DOGMA-Gruppe in die Reihe jener in der Geschichte des Kinos immer wieder auftauchenden Erneuerungsbewegungen (Neorealismus, Nouvelle Vague, Direct Cinema, New Hollywood etc.) einordnen, die das Medium von den Verkrustungen zu befreien und eine neue Art der Hinwendung zur Realität zu vollziehen suchten.

Es überrascht nicht, daß im Zeitalter der Digitalisierung eine solche Rückbesinnung auf die dokumentarischen Ursprünge des Kinos erfolgt. Zum Markenzeichen der DOGMA-Filme avancierte inzwischen eine wackelige und mit einer gewissen Hektik ständig in Bewegung befindliche Handkamera.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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