Ausgabe April 2002

Einmal Schurke, immer Schurke

Niemand kann sagen, die Signale seien nicht deutlich gewesen. Dass der Kampf gegen den Terrorismus langwierig ausfallen und sich keineswegs auf ein einzelnes Land beschränken werde, hat Washington unzählige Male beschworen. „Auch das nächste Jahr wird ein Kriegsjahr“, verkündete der Präsident im Dezember. Gleichzeitig hielt er seine Umgebung an, Mutmaßungen über weitere Bombenziele nicht ins Kraut schießen zu lassen, ehe die Arbeit in Afghanistan erledigt sei. Dann folgte der Paukenschlag des 29. Januar. Ebenso entschlossen wie gegen terroristische Netze, so Bush im Kapitol, müsse gegen Regime vorgegangen werden, die nach Massenvernichtungswaffen streben. Namentlich traf es Nordkorea, Iran und – mit besonderer Verve – den Irak. Sie firmieren als „Achse des Bösen“, als eigens gebrandmarkt unter den „Schurkenstaaten“. Seither vergeht kaum ein Tag ohne offene oder unterschwellige Drohung aus der amerikanischen Administration an die Adresse Bagdads. Was rückt gerade dieses Land in das Fadenkreuz der Supermacht?

Washington und Bagdad tragen an der Geschichte ihrer hoffnungslos zerrütteten Beziehung. Ausgangspunkt ist der Golfkrieg von 1991. Saddam Husseins dreister Überfall auf den kleineren Nachbarstaat Kuweit rief eine mächtige Gegenallianz auf dem Plan.

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