"Die Vereinigten Staaten erkennen Israels Recht auf Selbstverteidigung gegen den Terror an. Um die Grundlagen für einen zukünftigen Frieden zu schaffen, fordere ich Israel jedoch auf, die Übergriffe auf die palästinensisch kontrollierten Gebiete einzustellen...". So Präsident George W. Bush in seinem "Machtwort" vom 4. April d.J. an alle Beteiligten des israelisch-palästinensischen Konflikts. ("Genug ist genug" - vgl. den Wortlaut in "Blätter", 5/2002, S. 622-625) Verblüfft verfolgte die Weltöffentlichkeit, wie selbst die Worte des "mächtigsten Mannes der Welt" in der Region scheinbar ohne Echo verhallten und Scharon Bush ungerührt die Stirn bot. "Amerikas bedingungslose Unterstützung für Israel läuft den Interessen del Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zuwider", konstatiert das britische Monatsblatt "Prospect" in seiner Aprilausgabe: "Wir brauchen eine offene, vorurteilslose Debatte darüber." (Prospect, the political and cultural monthly, www.prospect-magazine.co.uk) Eröffnet wird diese mit einem bemerkenswert nüchternen Beitrag des Amerikaners Michael Lind über "The Israel Lobby", den wir mit der freundlichen Genehmigung des Verfassers und des "Prospect" Magazine erstmals in deutscher Sprache vorstellen. - D. Red.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.